Weihnachten und die Menschen
Zu kaum einer anderen Zeit im Jahr hört man überall irgendwem jammern, schreien, kritisieren, wie zu Weihnachten.
Es vergeht kein Jahr, dass ich nicht irgendwo zu hören bekomme, dass "der Sinn von Weihnachten ist eh verfehlt, es geht nur noch um Geschenke, nicht mehr ums Zusammen Sein. Und sowieso, dieses Heile Welt Getue, obwohl der Haussegen seit Jahren schief hängt."
Das nervt mich.
Mich nervt nicht, dass der alte Sinn von Weihnachten verfehlt wird. Wenn es nicht mehr um irgendeinen Glaube geht, sei es die christliche Variante mit der Jesu Geburt, oder die alttraditionelle mit der Ehrung des Sonnengottes, oder das nordische Julfest, dann ist das so, weil sich die Menschen, die Gesellschaft, die Welt eben entwickelt hat. In eine Richtung weg von traditionellen Werten, eben hin zum Schenken, Fressen, Konsum.
Das ganze Jahr wird konsumiert, geschenkt, gefressen, gefurzt, Geld verdient und ausgegeben, für Schmarn und sinnlosen Scheiß, aber nur zu Weihnachten stehen sie alle auf und jammern darüber, dass es sich nur noch ums konsumieren, schenken, fressen, furzen, verdienen und ausgeben ginge.
Weihnachten geht es darum, denjenigen, die man gern hat, zu beschenken, ihnen eine Freude zu machen.
Es geht darum, völlig entnervt und gestresst über den Weihnachtsmarkt zu rennen, weil man eben völlig entnervt und gestresst über den Weihnachtsmarkt rennen muss, zu Weihnachten. DAS glauben die Menschen. Sie glauben an Geschenke, Stress und Essen. Kann man daraus kein Fest machen?
Ich meine, einst feierten die Norvölker die Wintersonnenwende, dann feierten die Christen Jesu Geburt, jetzt feiern wir eben das, was daraus geworden ist. Weihnachten, eben. Das schimpft sich Entwicklung, und darauf sollte man nicht schimpfen.
Ich kann den Konsum überhaupt nicht kritisieren. Ich ehre den Konsum. Der Konsum macht mir Freude, er hat mir einen Traum gemacht. Ich arbeite in der Werbebranche, ich MACHE Werbung, ich bestimmte den Konsum. Wie kann ich diesen dann kritisieren, wenn er mein Leben ist?
Weihnachten heißt Konsum, und Konsum heißt mein Leben. Weihnachten ist mein Leben.
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Mein Leben ohne euch
Als ich zehn Jahre alt war, musste ich von der Schule aus bei einer Sozialgruppe mit machen. Man saß nett zu zwölft zusammen und hat Spiele gespielt und sich kennen gelernt. An einem Tag mussten wir Karten ziehen, auf denen Fragen standen. Diese mussten wir in der Gruppe laut vorlesen und dann beantworten. Auf meiner stand: "Was ist dein Wunschtraum?"
Ich habe mich damals so geziert, diese Frage in der Gruppe zu beantworten. Ich fragte: "Was ist denn ein Wunschtraum" und meinte, ich sei wunschlos glücklich. Ich fand nämlich nicht, dass 12 andere Menschen (die Betreuerin eingeschlossen) einfach so mir nichts dir nichts an meinem intimsten Leben teilhaben sollten.
Das war völlig absurd.
(was wiederum total absurd ist, wenn man das ganze dann im Internet öffentlich macht).
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Es ist November
Doch ich habe so wenig Zeit, um zu jammern, und zu tippen, was mir wieder einmal missfällt.
Aber ich muss eingestehen, dass ist im Moment auch recht wenig eigentlich.
Ich habe gar keine Zeit zum betrübt sein, und das ist auch gut so.
Einst las ich die Zeile "Man wird erst durchs Nachdenken richtig traurig."
Und wenn man dazu keine Zeit hat, weil man alles und jedem so sehr eingespannt ist, dann leiten die Gedanken auch nicht an die Orte zurück, die uns traurig machen, oder die, die uns so glücklich machen, dass man der Gegenwart bedrückt ist.
Ich stehe auf, fahre zur FH, studiere ein wenig, fahre Heim, studiere weiter und ab und zu arbeite ich auch. Dazwischen bleibt nichts.
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Glücklich oder Unglücklich...
Als ich heute Morgen raus ging, und über das trockene Laub zum Auto schlich, überkam mich wieder dieser Stich Melancholie, der mich schon die ganze Zeit begleitet. Die ganze Zeit seit wann? Das wüsste ich gern. Ich dachte darüber nach, dass ich früher soviel glücklicher war. Im Herbst 2009, da war alles irgendwie schön. Ein wunderschöner Herbst, klare, leuchtende Luft, strahlender Himmel und reflektierende, bunte Bäume. Damals heirateten meine Eltern und ich habe angefangen, mich irgendwo selbst zu finden. Haare färben, neue Klamotten kaufen, jedes Wochenende mit flaschenweise Wodka das Gehirn anästhesieren - das fand ich super. Ich fühlte mich wahnsinnig wohl. Dann trennte ich mich von meinem Freund, und das machte mich noch glücklicher, weil ich so elendig lange unglücklich mit ihm war. Dann hatte ich im September ein Date mit einem ehemaligen Mitschüler, der sich noch an mich erinnerte - obwohl ich mir doch soviel Mühe gegeben hatte, ja nicht aufzufallen. Ich schrieb zur Abwechslung mal gute Klausuren in der Schule, traf mich häufiger mit meinen Freunden, erkannte die Hinterlistigkeit und Heuchlerei meiner Mitschüler - die auf meine provokanten Sprüche sehr allergisch reagierten - und fühlte mich sehr zu Hause in der Welt. Im November, nein im Dezember wurde ich dann auf eine Party eingeladen, von einem Kerl auf meiner Klasse, auf den ich schon länger stand - was ich natürlich bewusst niemals wahrgenommen habe. Locker flockig wie wir unter dem ganzen konsumierten Bier eben drauf waren, kamen wir in ein Gespräch, welches wir in der Schule so niemals miteinander geführt hätten. Denn ich redete nicht viel, und er... redete nicht viel mit mir; und bald merkten wir, dass wir in der Schule nicht diejenigen waren, die wir vorgaben zu sein - und da wurde das Interesse an den jeweils anderen natürlich noch intensiver. Mein Exfreund titulierte mich als Schlampe, mein neuer Freund machte entgegen seiner Aussage mir gegenüber NICHT mit seiner Exfreundin schluss und mir war das alles reichlich egal. Denn ich fahr unglaublich glücklich. Mein Körper war geflutetet mit Glückshormonen und ich erlebte ein Gefühl, wie ich es noch niemals zuvor erlebt hatte - nicht zuletzt auch wegen der Relation der Hormone - quasi von null auf hundertachtzig. Später wurde der Schnaps durch Drogen ersetzt, die Drogen ließen mich immer schlanker werden, ich wurde immer lockerer, offener, sagte meinen Mitschülern haushoch ehrlich, was ich von ihnen hielt - woraufhin Hassattacken in Weblogs und Foren über mich verfasst wurden, ja darauf bedacht, dass ICH für diese Weblogs und Foren gesperrt war, denn aufrichtiges miteinander Reden hatten einige aus dieser Genereation verlernt, oder erst gar nicht gelernt. Und ich war so unglaublich zufrieden. Doch wie es immer wieder kommen wird in unser aller Leben - irgendwann lässt die Flut der Glückshormone nach, und zurück bleibt und zerstörter Ort, der umgeben wird von schönen Erinnerungen, in man aber einfach nicht zurück kann. Was macht das schon? Man kann sich ja das Diesseits schön gestalten. So machen das die Leute schon immer, seit Ewigkeiten. Und ich frage mich, wieso ich das nicht hinbekomme? Was steht mir denn da im Weg, dass ich es nicht hinbekomme, das Jetzt für mich glücklich zu machen? Ich glaube, es liegt vor allem daran, dass ich nichts von Früher mitgenommen habe. Ich bin blind, voller Dopamin, Noradrenalin und Oxytocin in ein neues Leben gerannt, ohne Gedanken daran zu verschwenden, dass dieser Hormonspiegel wieder sinken würde und eine Kraterlandschaft an Ereignissen und Gefühlen zurück lassen würde – die unwiderruflich zerstört wurde. Ich gehe nicht mehr zur Schule, habe nicht mehr mein gewohntes Umfeld, wohne nicht mehr in meiner alten Wohnung und – ja sogar meine Katze hat sich verändert. Sie ist nicht mehr so aggressiv, und gleichzeitig so an anhänglich wie früher. Meine Eltern haben andere Jobs, meine Brüder sind weggezogen, meine Freunde sind nicht mehr meine Mitschüler – ich habe meinen exzessiven Drogenkonsum zurück geschraubt – nichts, absolut nichts ist mehr so, wie es war, als ich glücklich war. Und nichts davon kann ich wieder so machen, wie es war. Und das Paradoxe daran ist vielleicht, dass ich früher alles anders haben wollte, um glücklich zu sein. Das Einzige, was mir bleibt, ist etwas zusuchen, im Jetzt, an dem ich mich fesseln kann, damit es mich glücklich macht. Und jetzt habe ich sogar wieder mit den Drogen angefangen…
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Schrottplatz
Ich hatte mal einen Blog, der hieß Schrottplatz. Weil es ein weiterer Ort war, an dem jemand seinen Schrott abgeladen hat. Seinen Gedankenschrott. Ich hatte früher sehr viel Gedankenschrott, weil ich sehr viel Zeit hatte, zum Gedanken machen und depressiv sein. Genauso, wie jetzt auch. Mein Schrottplatz war für mich ein wunderbarer Ort, an dem ich meine Gedanken auskotzen konnte, ihnen Form und Worte geben, um somit mit ihnen klar zu kommen. Genauso einen Platz brauche ich jetzt wieder.
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