SCHROTTPLATZ
Freundschaften beenden.

Ich bin ja eigentlich sooo ausgeglichen und relativ unanfällig für große Gefühlsausbrüche. Über all die Zeit, die ich mit anderen Menschen zutun hatte, habe ich mir angeeignet, jede Interaktion, die von anderen ausging, kritisch von allen Seiten auszuleuchten: Wenn jemand fies zu mir ist, überlege ich, wieso er das sein könnte - ist er immer fies zu mir, war ich vielleicht mal scheiße zu ihm. Ist er nur im Moment fies zu mir, lässt er wahrscheinlich gerade nur Frust von woanders an mir aus. Ey man, das passiert. Ich bin absolut nicht nachtragend, echt. Ich bin eigentlich ziemlich einsichtig, rücksichtsvoll, grundehrlich, sehr loyal und seeeeehr nachsichtig und großmütig. Wo mir in eigenen Lebenssituationen die Geduld fehlt, habe ich sie im äußerst großen Maße im Umgang mit den Menschen und ich bin wirklich ausgesprochen extremst tolerant, was das Behavior anderer angeht, vor allem dem mir und meinen Gefühlen gegenüber. Mit anderen Worten: Wer mein Freund ist, kann sich sehr viel erlauben, und unsere Beziehung bis ins Letzte strapazieren. Das lass ich alles mit mir machen, weil ich mir immer denke: Wir sind halt so. Wir sind vergesslich und wir sind mal traurig, wir lassen unsere Wut und unseren Frust mal aus, egal, wo wir sind. Wir ziehen andere Menschen manchmal vor, oder wollen einfach mal für uns sein. Wenn wir verliebt sind, vergessen wir gern mal alle und alles andere um uns herum, und wenn wir gerade unseren Abschluss machen oder umziehen und einen neuen Job anfangen, sind wir zeitlich nunmal ausgelastet. Freundschaften "leiden" mal unter dem Druck und Stress des alltäglichen Lebens. Ich finds noch nicht mal so schlimm, wenn man sich einfach mal nicht mehr meldet. Für ein paar Wochen. Weil: Es wird ja einen Grund haben. Da gibt's ja keine Regeln, wie es zu sein hat. Aber wie schon gesagt "bis aufs Letzte strapazieren" bedeutet nicht, dass "überstrapazieren" ausgeschlossen ist. "Freundschaften beenden" klingt immer so komisch, find ich. Aber wie soll man das sonst nennen? Ich habe drei Freundschaften beendet, bisher. Und ehrlich gesagt, eines davon bereue ich. Vor allem jetzt. Freundschaften beenden muss ja nicht mal rational sein. So objektiv, wie ich das eben kann, darüber nachgedacht, find ich es nicht so einleuchtend, wieso ich beschlossen habe, mit diesen Personen nicht mehr zu verkehren. Das Maß war einfach voll. Ich hatte keine Lust mehr. Kennt ihr das? Gefühle sind ja meist nicht rational, zumindest nicht so, dass wir sie verstehen könnten. Vor ein paar Wochen wurde ich ausgeschlossen aus einem Gespräch. Normalerweise ist das ja keine große Sache, aber diese eine Person hat mich grundsätzlich nie teilhaben lassen an den wichtigen Dingen um uns herum. Sie hat alles Organisatorische und Negative von Außen von mir fern gehalten. Und zwar so sehr, dass ich das nicht mal gemerkt habe. Wenn mir andere näher kommen wollten, kam sie dazwischen und erstickte jede Form von Kommunikation (über mich, Gefühle oder Beziehungen) im Keim. Im Grunde isolierte sie mich von den Menschen um mich herum, ohne, dass ich es merkte. Und sie dachte, sie würde mir einen Gefallen tun. Es klingt, als hätte sie mich systematisch manipuliert, doch für sie war es eine reine "Beschützer-Sache". Alles "Schlechte" von mir Fern halten, damit es mir eben gut ginge. Sie macht es heute noch. Eine "merkwürdig" anmutende Aussage von irgendjemanden, schon bin ich raus. Es wird über mich geredet, sie klärt das alles, kein Ding, aber ich darf nicht für mich selber sprechen. Und ich lass echt nicht viel an mich heran. Ich nehme auch unheimlich wenig persönlich. Und bei diesem Gespräch vor ein paar Wochen, da beschloss ich dann, dass es keinen Sinn mehr macht. Ich will nicht mit jemanden befreundet sein, der mich so behandelt: Für mich zählt Ehrlichkeit. Ich halt viel aus, ich lass nicht viel an mich heran, ich bin den Menschen gewachsen. Denn: Ich versuche, vieles von vielen Seiten zu sehen und zu hinterfragen. Es gibt Gründe für das Verhalten von Menschen. Auch dem mir Gegenüber. Aus einem Gespräch heraus ergab sich dann der Hinweis darauf, dass diese Beziehung für mich zu ende ist und von mir aus kein Interesse und vor allem kein Kraft mehr besteht, das noch weiterzuführen. Eine Beleidigung, dann Tuten. Mir wurde vorgeworfen, genau das getan zu haben, was sie jahrelang "mir angetan haben". Und das macht sich so wütend. In zahlreichen Gesprächen geredet, immer wieder versucht, eine Ebene zu finden, und immer wieder der gleiche Kack. Und am Ende, am Ende war ich diejenige, die Schuldige. Ich, die über zwölf Jahre hinweg alles toleriert hat: Versetzungen, Absagen, Beleidigungen und Kränkungen, Liebeskummer, Illoyalität und Lügenhäuser, Absitenz und Süchte, Abfuhren und Entschuldigungen, Ablehnung und Wiederzusammenkunft. Und das Krasseste: Ich stand immer hinter ihr. In jeder Situation. Verteidigt bis aufs Blut, an sie geglaubt, obwohl alle Zeichen gegen sie standen (übrigens hat sie's geschafft), für sie da gewesne, mit ihr bis in alle Ewigkeit geredet, sie getröstet (und dabei habe ich sie nie in Anspruch genommen. Niemals.) Alter, sie hat sogar meinen 18. Geburtstag vergessen. Und es kam nie, niemals, nicht einmal in vierzehn Jahren eine Entschuldigung. Und jetzt, jetzt wunderst du dich, dass ich es satt habe?
8.2.15 18:08
 


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